Die Jugendjury beim PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL 2018

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Seit 2008 wird alle zwei Jahre der „Preis der Internationalen Jugendjury“ beim PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL verliehen, dem ältesten und größten Festival für Kinder- und Jugend-TV-Programme aus aller Welt. Die internationale Jugendjury besteht aus Jugendliche aus insgesamt sechs Nationen, die sich mit den Programmen der Wettbewerbskategorien 11 – 15 Jahre, Fiktion und Non-Fiktion auseinandersetzen. Dieses Jahr tagten im Vorfeld des Festivals Jugendjurys in Kanada, Taiwan, Slowenien, Ghana, Ägypten und Bolivien. Aus den Einzelwertungen der Ländern werden am Ende die zwei Preisträger ermittelt.

„Ich war begeistert von ihrem Fachwissen, ihren Argumenten, ihrer Artikulation und ihrer Leidenschaft. (…) Faktisch haben sie die Programme wie die Experten beurteilt. Sie waren unabhängig in ihren Meinungen waren und haben sich auch von anderen nicht abbringen lassen.“ Mimi Dadson, die Betreuerin der Jugendjury aus Ghana, war sichtlich begeistert von ihren jungen Juroren, die beim diesjährigen PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL eine von den sechs internationalen Jurys bildeten. Die 15 Jugendlichen kamen aus ganz unterschiedlichen sozialen Umfeldern, verbunden hat sie die gemeinsame Leidenschaft für gute, mediale Inhalte. Durch die intensive Arbeit in der Jugendjury sind sogar Freundschaften entstanden.

Die Fernsehprogramme, mit denen sich die jungen Leute auseinandersetzen müssen, sind für sie oft ungewöhnlich: Die Filme kommen aus verschiedensten Ländern, 2018 unter anderem aus Brasilien, Venezuela, Vietnam, dem Irak oder Japan. Sie unterscheiden sich manchmal stark von den üblichen medialen Inhalten, mit denen die Jugendlichen in Berührung kommen. Auch Themen werden aufgebracht, die zum Teil in den Kulturen, aus denen die Jugendlichen kommen, nicht angesprochen werden. Viele Programme werfen dadurch Fragen auf und stoßen vielleicht sogar auf Ablehnung oder Unverständnis. Gleichzeitig bietet die Teilnahme an der Jugendjury dadurch aber auch faszinierende Einblicke in verschiedene Gesellschaftsformen und Lebensrealitäten.

Die Diskussionen nach den Filmvorführungen werden entsprechend intensiv geführt. Themen wie Magersucht, Autismus und Ausgrenzung durch Andersartigkeit werdengenauso kontrovers diskutiert wie Programme über Umweltproblematiken oder das Leben mit Behinderung. In den Kommentaren der Jugendlichen wird deutlich, bei welchen Thematiken es Berührungsängste gibt und bei welchen Geschichten die Bewunderung für Menschen in schwierigen Lebenslagen besonders groß ist. So gibt ein Mädchen aus Ghana nach dem Screening der holländischen Dokumentation „The Girl with the White Skin“ über ein Albino-Mädchen ganz offen zu, dass sie selbst Angst vor Menschen mit Albinismus hat. Sie findet es aber erschreckend, dass diese Menschen in einigen Regionen Afrikas wegen ihrer Hautfarbe verfolgt und sogar getötet werden und nimmt den Film aus Anlass, ihr eigenes Verhalten zu überdenken. Ein slowenischer Junge empfindet die niederländische Produktion als echte Horizonterweiterung, ein Mädchen aus Kanada stellt fest, dass sie aus dem Programm viel gelernt hätte.

Zu den Kriterien, die für die Jugendlichen bei der Beurteilung einer Sendung relevant sind, zählte neben der Themenwahl auch die Qualität und Glaubhaftigkeit der Darstellung, die Musik, und ob ein Programm innovativ ist und damit die Zuschauer überrascht. Anhand der Zitate wird deutlich, dass besonders bei den technischen Details alle Jurys aufmerksam und teilweise sogar kritisch und streng hinsehen. So empfinden sie die Zombies in einem britischen Programm als viel zu laienhaft dargestellt, ein Animationsfilm ist einigen Gruppen zu kindisch und die Idee hinter einer Dokumentation haben die Jugendlichen gefühlt „schon hundertmal gesehen“.

Um den Festivalteilnehmern die Arbeit der Jugendjury näher zu bringen, wird auf dem Festivalgelände eine Ausstellung mit den spannendsten Zitaten aus den Diskussionen der Jugendlichen angeboten. Für die Programmmacher bieten sich damit interessante Einblicke, wie ihre Sendungen von jungen Leuten in unterschiedlichen Kulturen wahrgenommen werden. Jede Gruppe produziert zudem am Ende ihrer Jury-Session eine kurze, kreative Videobotschaft, in der sie ihre Ergebnisse verkündet. Der Gewinner ergibt sich aus der höchsten Gesamtpunktzahl aller Gruppen. Die zwei Preise der internationalen Jugendjury werden im Rahmen der Abschlussgala des PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL 2018 (30. Mai, Löwenbräukeller, München) verliehen.